Rays Wohnung

Ein unvollendetes Hochhaus im Gallus. Offiziell unbewohnt. Inoffiziell Rays Zuhause.

Details

Der Turm sollte einmal das neue Wahrzeichen des Gallus-Viertels werden. Vierzig Stockwerke Luxuswohnungen mit Blick auf die Skyline. Der Investor verschwand 2038 – mit dem Geld, aber ohne die Fenster für die oberen zwanzig Etagen.

Unten, bis zum fünfzehnten Stock, wohnen Menschen. Kleine Läden, eine Apotheke die keine Fragen stellt, ein Friseur der auch nach Mitternacht öffnet. Darüber: Beton, Stahlträger, und der Wind der durch leere Fensterhöhlen pfeift.

Ray kam als Sicherheitsmann, kurz bevor alles zusammenbrach. Der Job ist längst Geschichte, aber er hat immer noch den Schlüssel zum Lastenaufzug. Der fährt vom Keller bis ganz nach oben – vorbei an Stockwerken, deren Türen zugemauert oder nie gebaut wurden.

Die anderen Bewohner wissen nicht, dass es ihn gibt. Sie wissen auch nicht, dass jemand im 34. Stock lebt, wo der Beton noch nach Baustelle riecht und die Aussicht auf das Bankenviertel jeden Morgen daran erinnert, wer in dieser Stadt wirklich das Sagen hat.

NATO mag die Höhe. Er sagt, von hier oben kann er halb Frankfurt hacken, ohne dass jemand seine Signale trianguliert. Ray sagt, er mag es, weil niemand hier hochkommt um zu fragen, warum ein Hund einen Computer auf dem Rücken trägt.

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